0

Der Bettelstudent

Carl Millöckers dreiaktige und heitere Operette Der Bettelstudent (Libretto von Friedrich Zell [C. Walzel] & Richard Genée, nach Victorien Sardou und Edward Bulwer-Lytton) feierte ihre Uraufführung am 6. Dezember 1882 im Theater an der Wien in Wien. Die Handlung spielt im Krakau des Jahres 1704, vor dem Hintergrund des polnischen Aufstands gegen die russische Besatzung, und verbindet geschickt romantische Verwechslungskomik mit patriotischem Pathos.

Symon Rymanowicz, der „Bettelstudent“, ist ein mittelloser junger Mann (Student), der sich mutig als polnischer Graf ausgibt, um das Herz seiner Geliebten Laura zu gewinnen und gleichzeitig politisches Unrecht anzuprangern. Sein Rollenbogen reicht von kokettem Witz (wenn er den Senatorendamen Avancen macht) bis zu aufrichtigem Liebesleid, das in den dramatischen Ensembleszenen zum Tragen kommt. 

Die Rolle des Symon verlangt einen Tenor mit leichtem Spielton und schlanker Höhe, der sowohl die lyrischen Passagen als auch den schnellen, witzigen Dialog mit Klarheit und Schwung meistern kann. Besonders in Ensembleszenen – etwa im berühmten Terzett „Ich knüpf’ das Glück an diese Hand“ – ist präzises Zusammenspiel und komödiantisches Timing gefragt. Ausdrucksstarke Phrasierungswechsel zwischen Sanftheit und pointiertem Forte machen Symon zu einer vielseitigen Partie, die schauspielerisches Feingefühl und Belcanto-Technik verbindet. Symon tritt meist in einfacher Studenten­livrée auf (weste, knie­bundhose, breiter Gürtel), die sich im Duellakt zur festlich-patriotischen Uniform wandelt. Historisch interessant: Johann Strauss II lehnte das Libretto ab, wodurch Millöcker zum Hauptkomponisten des neuen Erfolgs wurde.

Millöckers Melodien glänzen durch eingängige Strawinski-Arabesken und typische Wiener Leichtigkeit – Walzerklänge mit folkloristischen Anklängen an polnische Festtänze, eine ideale Wahl für Tenöre, die Operette mit Humor und nuanciertem Ausdruck lieben. 

weitere Titel

error: Content is protected !!