Johann Strauss’ spritzige Operette Die Fledermaus (Uraufführung 5. April 1874, Theater an der Wien) führt Alfred als charmanten Tenor-Liebhaber und gefeierten Sänger im Hause des schelmischen Dr. Falke ein: Er serenadiert seine ehemalige Flamme Rosalinde vor deren Wohnung („Täubchen, das entflattert ist“) und bringt damit die Verwechslungskaskade um Eisenstein, Falke und Orlofsky ins Rollen.
Alfred braucht eine lyrische Tenorstimme mit geschmeidiger Mittellage, Agilität, eleganter Linienführung und sicherer Höhe für die kantablen Serenadenbögen. Die Sprache trägt den Witz: präzise Artikulation und leichter Wiener Tonfall (Wiener Schmäh), ohne Dialektklischee. Im Finale von Akt I führt er „Trinke, Liebchen, trinke schnell“ auf – hier zählen Atemökonomie, federnder Walzerpuls und hörbarer Charme. Dynamische Nuancen – vom koketten Piano bis zum vollen Forte – unterstreichen seine spöttische Ironie.
Alfred ist der Katalysator: Sein Auftritt bei Rosalinde (und die spätere Verhaftung „statt“ Eisenstein) befeuert den Plot; in Akt III steht er im ironisch zugespitzten Trio mit Eisenstein und Rosalinde. Die Figur ist bewusst als parodistisches Tenor-Klischee gezeichnet – ein galanter Sänger, der in jeder Lage ein Couplet parat hätte, aber musikalisch auf Linie bleibt. Weil die Handlung selbst an einer rauschenden Silvester-/Neujahrsnacht spielt, ist Die Fledermaus in Wien bis heute die Silvester-Operette (Wiener Staatsoper/Volksoper). Für Programme lässt sich Alfreds Serenaden-Charme ideal mit anderen „Fensterliedern“ koppeln. Dieses Silvestervergnügen hat die Operette gleichzeitig zum heimlichen Soundtrack des Jahreswechsels gemacht und zieht ZuhörerInnen aller Generationen in ihren Bann. Nach dem Opernführer von Karl Howe vereint Alfreds Rolle Sängertechnik mit komödiantischem Gespür und bleibt ein Publikumsliebling.