0

Lohengrin

Richard Wagners Lohengrin (Uraufführung 1850 in Weimar unter Franz Liszt) spielt in Brabant zur Zeit König Heinrichs. Elsa von Brabant wird beschuldigt, ihren Bruder Gottfried verschwinden gelassen zu haben; Ankläger ist Friedrich von Telramund, angestachelt von seiner Gemahlin Ortrud. Als Elsa ihre Unschuld beteuert, ordnet der König einen „Gottesgericht“-Zweikampf an. Auf Elsas Gebet erscheint – von einem Schwan gezogen – ein unbekannter Ritter. Er bietet sich als ihr Verteidiger an, jedoch unter einer Bedingung: Sie darf nie nach seinem Namen und seiner Herkunft fragen. Der Fremde siegt über Telramund und gewinnt Elsas Hand.

Im zweiten Akt spinnt Ortrud ihre Intrige weiter: Sie sät nachts Zweifel in Elsas Herz und verführt Telramund zum heimlichen Racheplan. Vor der Kathedrale kommt es am Morgen zur berühmten Hochzeitsprozession; Ortrud stellt Elsa öffentlich bloß, Telramund wird vom König geächtet – doch der Keim des Misstrauens ist gelegt. Musikalisch prägen hier der prunkvolle Brautzug, die kontrastierenden Chorszenen und der Wechsel von höfischer Pracht zu düsterer Vorahnung die Bühne.

Das Drama kulminiert im Brautgemach (Akt III). Lohengrin bittet um Vertrauen, Elsa ringt mit sich – und stellt schließlich die verbotene Frage. In diesem Moment dringen Telramund und seine Mitverschwörer ein; Lohengrin tötet den Angreifer und führt am folgenden Morgen vor König und Volk seine Gralserzählung „In fernem Land“ auf: Er ist ein Ritter des Grals, Sohn Parsifals, gesandt von Monsalvat. Weil Elsa das Gebot brach, muss er sie verlassen. Der Schwan kehrt zurück; Ortrud triumphiert, denn er sei der verzauberte Gottfried. Nach Lohengrins Gebet löst sich der Bann: Aus dem Schwan tritt der rechtmäßige Erbe hervor, eine Taube führt den Ritter davon – Elsa bricht neben ihrem wiedergefundenen Bruder zusammen.

Für den Tenor spannt Lohengrin den Bogen vom überirdisch stillen Erscheinen bis zur schlichten Erhabenheit der Gralserzählung. Gefordert sind ein jugendlicher Heldentenor mit tragfähiger Mittellage, langem Legato über dem schimmernden Orchester und leuchtender Höhe, die aus der Linie aufblüht (nicht erzwungen). Das Vorspiel mit seinen hohen, ätherischen Streichern, die monumentalen Chöre und die feierlichen Aufzüge verlangen darüber hinaus Textklarheit und Contenance: Lohengrin wirkt, wenn der Sänger Würde, Innigkeit und unerbittliches Gesetz in einer Figur vereint.

weitere Titel

error: Content is protected !!