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Paganini

Franz Lehárs Paganini wurde am 30. Oktober 1925 im Johann-Strauß-Theater, Wien uraufgeführt (Libretto: Paul Knepler und Béla Jenbach). Die Handlung spielt in Lucca zur Zeit Napoleons: Der gefeierte Geigenvirtuose Niccolò Paganini trifft auf Prinzessin Anna Elisa (Napoleons Schwester) und gerät in ein Geflecht aus Hofintrigen, Eitelkeiten und echter Zuneigung – zwischen der weltklugen Primadonna Bella Giretti, dem Hofmarschall Pimpinelli und dem eifersüchtigen Gemahl der Prinzessin. Lehár schrieb die Partitur ausdrücklich als „Tauber-Operette“; Richard Tauber machte die Rolle kurz darauf in Berlin zum Triumph.  

Vokal führt die Titelpartie das Ideal des lirico-spinto-Tenors vor: weit gespannte Legatobögen, tragfähige Mittellageund frei aufblühende Höhe. Die großen Nummern fordern unterschiedliche Farben: das elegante, fast beiläufige Werben in Gern hab’ ich die Frau’n geküsst, das leidenschaftliche Duett „Niemand liebt dich so wie ich“ mit Anna Elisa, dazu leichte, parlando-nahe Passagen im Spiel mit Bella und Pimpinelli. Wirkung erzielt der Part weniger durch Lautstärke als durch Textnähe, Atemökonomie und rubato-Kultur – genau jene „Sprechgesangs“-Eleganz, für die Tauber berühmt war.  

Dramaturgisch ist Paganini kein bloßer Charmeur, sondern ein Künstler zwischen Freiheitspathos und Bindung: Er liebt – und flieht, sobald Hofetikette und Klatsch die Kunst zu erdrücken drohen. Regieseitig genügen klare Zeichen der Empire-Zeit (schwarzer Gehrock, helles Tuch, schmale Stiefel); eine Violine als Requisit unterstützt die Illusion, ohne zur Mimik-Nummer zu werden: Bogenführung, Atem und Körperspannung bleiben musikalisch. Aus Paganini stammen mehrere Evergreens. 1934 adaptierte E. W. Emo das Werk für den Film „Gern hab’ ich die Frau’n geküßt“ (u. a. mit Iván Petrovich, Theo Lingen), was die Popularität der Melodien weiter befeuerte. 

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