Dieses zärtliche Liebeslied stammt nicht aus der Lustigen Witwe, sondern aus Franz Lehárs Friederike (Uraufführung 4. Oktober 1928, Metropol-Theater Berlin; Libretto: Ludwig Herzer & Fritz Löhner-Beda). Es erklingt in Akt II als Goethe-Nummer und wurde durch Richard Tauber, der die Titelpartie kreierte, rasch zum Hit des Abends. In zeitgenössischen Berichten ist sogar von mehrfachen da capo-Encores die Rede – ein typischer „Tauber-Moment“.
Musikalisch schwebt „O Mädchen, mein Mädchen“ im walzernden Dreiertakt mit langen, geschmeidigen Legatobögen. Der Tenor profitiert von einer wärmenden Mittellage, kultivierten Piani und dezentem Portamento; die Linie soll aus dem Text heraus blühen, nicht durch Kraft. Im orchestralen Gewand trägt ein schlank geführtes Cantabile über zarte Streicher und Holzbläser – kammermusikalisch funktioniert die Nummer ebenso gut mit Klavier, sofern die Rubati und der Atem der Sprache den Puls leiten. Taubers historische Aufnahmen zeigen genau diese Mischung aus Schlichtheit und Glanz, die der Szene ihren Charme verleiht.
Dramaturgisch ist das Lied Goethes leises Bekenntnis: kein großes Deklamat, sondern persönliche Nähe – ein Moment, in dem sich Friederikes Welt und die des jungen Dichters berühren. Wer die Wirkung trifft, bleibt nah am Wort, setzt kleine Aufschwünge federnd und hält den Schluss gerade und leuchtend, ohne Überdruck.