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Der zweyte Theil der Zauberflöte

Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen. Der Zauberflöte zweyter Theil ist ein zweiaktiges Singspiel („große heroisch-komische Oper“) von Peter von Winter auf ein Libretto von Emanuel Schikaneder. Uraufführung: 12. Juni 1798, Freihaus-Theater auf der Wieden in Wien. Schikaneder selbst stand – wie schon 1791 – wieder als Papageno auf der Bühne; Josepha Hofer (Mozarts Schwägerin) sang erneut die Königin der Nacht.

Inhaltlich knüpft das Stück unmittelbar an Die Zauberflöte an: Tamino und Pamina werden in neue Prüfungen „an den Elementen“ (Erde, Wasser, Luft, Feuer und Geist) geführt; das Märchenhafte bleibt, doch Winter und Schikaneder dehnen den Blick auf die Welt der Priester*innen – es gibt hier sogar eine Hohepriesterin und Priesterinnen als Sprechrollen. Der Erste Priester (Tenor)– in den Quellen häufig schlicht als einer der „Priester (Tenor/Bass)“ ausgewiesen – rahmt rituelle Szenen, leitet Anrufungen und fungiert als Bindeglied zwischen Sarastros Weisheitsbund und den Prüfungssequenzen. Seine Einsätze sind kurz, aber markant: klare Diktion, ruhiges Legato und eine edle, „sakrale“ Tongebung sind entscheidend. 

Winter bewahrt den Singspiel-Charakter (gesprochene Dialoge + Musiknummern) und mischt klassische Tanzformen und liedhafte Nummern mit effektvollen Bläser-Echos und lebendigen Chorfinali – näher an Mozarts Klangwelt als an späterer Romantik, aber mit eigenem Kolorit. Für den Tenor heißt das: Textverständlichkeit vor Opernpathos; die Würde entsteht aus Phrasierungsruhe, sauberem Legato und „priesterlicher“ Präsenz.

Nach frühem Erfolg auf Wiener Bühnen geriet Das Labyrinth lange in Vergessenheit. Bedeutendere Wiederbelebungen: München 1978 (Cuvilliés-Theater, Everding/Sawallisch, dialogreduziert) und die vielbeachtete Salzburger Festspiele-Produktion 2012 (Dirigent Ivor Bolton, Regie Alexandra Liedtke), die Winters Oper erstmals prominent ins Festspiellicht rückte. 

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