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Friederike

Franz Lehárs Friederike (Libretto: Ludwig Herzer & Fritz Löhner-Beda) wurde am 4. Oktober 1928 am Metropol-Theater Berlin uraufgeführt basierend auf einer wahren Geschichte – mit Richard Tauber als jungem Goethe und Käthe Dorsch in der Titelpartie. Lehár selbst bezeichnete das Stück als Singspiel: Also Operette mit gesprochenen Dialogen, keine Rezitative. Die Handlung spielt im elsässischen Sesenheim und in Straßburg: 1771 blüht die erste Liebe zwischen Goethe und der Pfarrerstochter Friederike Brion auf; 1779 treffen beide noch einmal aufeinander – nun mit der Reife und Wehmut gelebter Jahre.  

Die Tenorpartie Goethe ist genau auf Taubers lyrische Noblesse zugeschnitten: klangschönes cantabile, sprechnahe Diktion und eine Höhe, die aus der Linie heraus aufblüht. Es braucht einerseits klares, junges Timbre und andererseits Sicherheit in der Höhe. Die Sprech-Rezitative erfordern zudem präzise Diktion. Musikalisch prägen die Rolle mehrere Arien (auch Tauber-Lieder genannt), allen voran das Walzerlied „O wie schön, wie wunderschön“, das innige „O Mädchen, mein Mädchen“ und Duette wie „All mein Fühlen, all mein Sehnen“. Lehár bindet zudem Goethes „Heidenröslein“ ein („Sah ein Knab’ ein Röslein stehn“) – ein feiner Verweis auf den Dichter, den die Figur auf der Bühne verkörpert. Die gefühlvollen Arien sind durch warme Legatobögen und feine dynamische Abstufungen geprägt. Erst eine ausdrucksstarke Phrasierung bringt den Sturm-und-Drang-Charakter des jungen Poeten zum Leuchten. 

Inhaltlich zeigt Friederike die zarte Nähe zweier junger Menschen und die Entzweiung durch Missverständnisse, Stolz und Pflichtwege; Jahre später bleibt der Respekt – und die Ahnung dessen, was hätte sein können. Kostümtechnisch trägt Goethe meist schlichte Studentenkleidung des ausgehenden 18. Jahrhunderts (Kniebundhose, Weste, dreieckiger Hut, Gehrock) – keine Uniform –, was seine bürgerlich-akademische Herkunft und den Ton des Sturm-und-Drang unterstreicht. Für Tenöre ist die Rolle eine dankbare Balance aus lyrischem Glanz und sprechnahem Spiel: der Dichter als Liebender, ohne Opernpathos, dafür mit kultivierter Wärme. Diese Rolle bietet Tenören die besondere Chance, literarische Biografie mit lyrischem Singspiel-Charme zu verbinden. 

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