„Yesterday“ ist ein Song der Beatles, geschrieben von Paul McCartney (veröffentlicht unter dem üblichen Lennon/McCartney-Copyright) und ursprünglich erschienen auf dem Album Help! (1965). Formal markiert das Stück einen Meilenstein in der Entwicklung der Popmusik: Es bricht mit dem klassischen Beat-Band-Format und etabliert eine intime, von klassischer Musik inspirierte Kammerpop-Ästhetik. Der Text behandelt melancholisch den plötzlichen Verlust einer Liebe und die Sehnsucht nach einer unbeschwerten Vergangenheit. Der Song gilt mit über 2.200 registrierten Fassungen als eines der am häufigsten gecoverten Lieder der Musikgeschichte. Künstler quer durch alle Genres – von Frank Sinatra über Elvis Presley bis hin zu Marvin Gaye – haben das Stück interpretiert und zu einem universellen Standard erhoben.
McCartney fand die Melodie nach eigenen Angaben im Traum und verwendete monatelang den Arbeitstitel „Scrambled Eggs“, um die Phrasierung zu sichern, bis er den finalen Text ausarbeitete. Die Aufnahme in den Abbey Road Studios unter der Regie von Produzent George Martin war ein Novum in der Bandgeschichte: Keines der anderen Bandmitglieder wirkte an dem Track mit. Die Instrumentierung beschränkt sich stattdessen auf McCartneys akustische Gitarre und ein Streichquartett. Martin war maßgeblich für das Arrangement verantwortlich und überzeugte McCartney von der klassischen Begleitung, was den klanglichen Grundstein für die spätere, experimentellere und orchestrale Phase der Band legte.
Musikalisch basiert „Yesterday“ auf einer traditionellen AABA-Form, besticht jedoch durch eine für damalige Popverhältnisse ungewöhnlich komplexe Harmonik. Der Song steht in F-Dur (McCartney nutzte G-Dur-Akkordgriffe und stimmte seine Epiphone-Gitarre einen Ganzton tiefer), moduliert fließend über Moll-Akkorde und nutzt chromatische Bassläufe, die dem Stück seine unverkennbare Wehmut verleihen. Das von George Martin geforderte Spiel des Streichquartetts weitgehend ohne Vibrato erzeugt eine trockene, fast barocke Strenge. Dies vermeidet musikalischen Kitsch und rückt die vokale Intimität sowie den nackten Kern der Komposition in den Vordergrund.
Im Repertoire funktioniert das Lied hervorragend als retardierendes Moment, als intimer Ruhepunkt im Zentrum eines Sets oder als hochkonzentrierte Solo-Zugabe. Wegen seiner universellen Bekanntheit bedarf es einer klaren interpretatorischen Entscheidung: Dramaturgisch kann das Stück nah am kammermusikalischen Original belassen werden, um gezielt pure Nostalgie zu wecken, oder durch starke Re-Harmonisierungen (wie im Jazz und Soul üblich) in einen völlig neuen Kontext gesetzt werden. Es eignet sich ideal, um einen scharfen, emotionalen Kontrast zu lauteren, rhythmisch treibenden Nummern zu bilden und den Raum auf maximale musikalische Reduktion zu fokussieren.