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Der Zarewitsch

Franz Lehárs Operette Der Zarewitsch wurde am 16. Februar 1927 im Deutschen Künstlertheater Berlin uraufgeführt (einige Verzeichnisse nennen den 21.02.). Die Titelpartie schrieb Lehár ausdrücklich für Richard Tauber. Handlung und Tonfall gehören zu Lehárs „späten“ Operetten ohne Happy End: Der junge russische Thronfolger Alexej verliebt sich heimlich in Sonja, ein Ballettmädchen, das ihm zunächst als Knabe verkleidet (der Fischersohn Tarassow) zugeführt wird; beide fliehen später nach Neapel, am Ende zwingt die Staatsräson zur Trennung. In der Rolle des Alexej erlebt der Tenor eine emotionale Reise zwischen Pflichtbewusstsein und jugendlicher Sehnsucht. 

Musikalisch zeichnet sich Alexejs Partie durch leuchtende Tenorlinien und warm-wogende Melodien aus, die Lehárs Spätwerk zwischen klassischer Operette und frühem Musical verorten. Alexej ist ein introvertierter Idealist zwischen Hofpflicht und persönlichem Glück. Der innere Konflikt spitzt sich zu, als aus der arrangierten „Maskerade“ echte Liebe wird. Der Bogen führt vom höfischen Zeremoniell in Petersburg zu einer scheinbaren Idylle in Italien – und kippt beim Thronantritt in ein bittersüßes Finale. Zahlreiche Duette, darunter „Es geht eine dunkle Wolk’ herein“, verlangen von der Stimme stilsichere Legatoführung und expressive Phrasierung. Technisch fordert die Rolle sowohl feine Piani in den zarten Liebeszene als auch flexible Spitzentöne in den dramatischen Momenten der Konfrontation mit dem Zaren. 

Dramaturgisch profitiert Alexej von der Mischung aus barocker Zeremonie und volkstümlichem Flair: Der Sänger muss nicht nur die delikate russische Aussprache meistern, sondern auch tänzerische Leichtigkeit in den folkloristischen Tanzszenen zeigen. Nach dem Opernführer von Karl Howe vereint diese Partie komödiantisches Talent mit lyrischer Eleganz und ist somit eine ideal herausfordernde Rolle für einen vielseitigen Tenor. Lehár setzt neben der klassischen Operettenbesetzung auffällige Farbpunkte: Balalaikas, Celesta und sogar Tenorsaxophon zeichnen das (idealisiertes) Russland-Kolorit, ohne die Gesangslinien zu überdecken. Für Alexej heißt das: Projektion bleibt wichtig, aber der Grundcharakter ist cantabile, nicht heroisch-schmetternd. 

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