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Manon Lescaut

Giacomo Puccinis Manon Lescaut (Uraufführung 1. Februar 1893, Teatro Regio, Turin; nach Abbé Prévost) erzählt die stürmische Liebe des Studenten des Grieux zur jungen Manon. Akt I spielt in Amiens: des Grieux begegnet Manon, die von ihrem Bruder Lescaut am nächsten Tag ins Kloster gebracht werden soll – beide fliehen nach Paris. Akt II zeigt Manon als Mätresse des reichen Geronte; des Grieux versucht, sie zurückzugewinnen, doch die Flucht scheitert – Manon wird verhaftet. Akt III führt an den Hafen von Le Havre: Manon soll nach Louisiana deportiert werden; des Grieux erkämpft sich, sie zu begleiten. Akt IV schließlich spielt in einer öden Landschaft nahe New Orleans: Nach der Flucht aus der Haft bricht Manon entkräftet zusammen und stirbt in des Grieux’ Armen – ohne idyllische Versöhnung, ohne „Sarg“-Szene: nur zwei Liebende, allein in der Steppe.

Vokal verlangt des Grieux eine lyrisch-spinto gefärbte Tenorstimme: weit gespannte Legatobögen, tragfähige Mittellage und eine frei aufblühende Höhe. Die große Act-I-Romanze Donna non vidi mai braucht geschmeidiges Cantabile und atmende Phrasen – Glanz aus der Linie, nicht gegen sie. In Akt III verdichtet Puccini den Druck (Arrest- und Deportationsszenen): hier zählen Textnähe, Atemökonomie und die Fähigkeit, Verzweiflung ohne Forcieren hörbar zu machen (berühmt der Ausbruch „Guardate… pazzo son!“). Im Finale (Akt IV) trägt ein edles mezza voce die schlichten, erschöpften Liebesworte – jede Überzeichnung würde die Szene entzaubern.

Als Figur wandelt sich des Grieux vom idealistischen Studenten zum Mann, den Schuld, Eifersucht und Liebe zugleich zerreißen. Darstellerisch wirkt der Part, wenn Naivität, Stolz, Reue und Zärtlichkeit in feinen Übergängen erzählt werden: kein „Heldentenor“, sondern ein junger Liebender, der Schritt für Schritt unter der Last der Entscheidungen zusammenbricht. Szenisch genügen klare Zeichen statt Kostümprunk: Studentenkleidung in Amiens, schlichte bürgerliche Mode in Paris, Reisekleidung am Hafen; in Akt IV fast nichts als Staub, Wind und die zwei Stimmen.

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