„Core ’ngrato“ (italienisch: „undankbares Herz“) gehört zu den berühmtesten neapolitanischen Liedern und wurde 1911 von Salvatore Cardillo vertont. Ursprünglich von Librettist Riccardo Cordiferro (Pseudonym von Nicola “Riccardo” Rubino) getextet, schildert das Lied die Klage eines Liebenden, dessen Treue von der Geliebten schändlich missbraucht wird, in eindringlich-einfachen Versen.
Die melancholische Melodie zeichnet sich durch sanfte Auf- und Abwärtsbewegungen aus, in denen sich die neapolitanische Gesangstradition mit ihrem herzvollen Legato zeigt. Für den Tenor ist korrekte Aussprache des Dialekts genauso wichtig wie ein warmes Timbre, um die bittersüße Stimmung glaubhaft zu vermitteln. Die dynamischen Kontraste – von zartem Piano bis hin zu kraftvollen Forti am Höhepunkt – verlangen stimmliche Kontrolle und eine ausgeprägte Atemtechnik. Die Strophenform (ABCABC) erlaubt dem Sänger, jede Wiederkehr der Melodie mit kleinen Variationen zu gestalten. Subtiles Vibrato auf Wortabschlüssen („…ngrato“) und eine klare Mittellage im Vortrag der Frage „Tu nun m’ami cchiù?“ intensivieren das Gefühl der Verlassenheit.
Eingerahmt von zurückhaltenden Gitarren- oder Mandolinenbegleitungen, bietet „Core ’ngrato“ Raum für persönliche Interpretation: Subtiles Vibrato kann die Sehnsucht unterstreichen, während eine klare Mittellage die lyrische Aussage trägt. Als Klassiker der Weltmusik spricht das Lied Hörer:innen aller Generationen an und bleibt ein Höhepunkt im Repertoire jedes Tenors, der die neapolitanische Musikkultur feiern möchte.
Die ursprüngliche Instrumentalisierung bestand aus Gitarren- oder Mandolinengeige mit Pianoforte-Continuo. Später entstanden auch Fassungen für Streichquintett und Harfe, was den elegischen Charakter noch weiter unterstreicht, sowie moderne Crossover-Versionen, darunter Cover mit Gitarren-Percussion-Begleitung, oft kombiniert mit Jazz-Klavier