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My way

„My Way“ ist Paul Ankas englischsprachige Neufassung des französischen Chansons „Comme d’habitude“ (Musik Jacques Revaux, Text Claude François & Gilles Thibaut). Frank Sinatra nahm den Song 1968 auf; die Single erschien 1969 und wurde zu seinem späten Markenzeichen. In den USA erreichte Sinatras Version Platz 27 der Billboard Hot 100, in Großbritannien entwickelte sie sich zum Dauerläufer und hielt sich dort rekordverdächtig lange in den Charts (u. a. 75 Wochen in den Top 40). Dass der Titel auf einem französischen Original basiert, ist Teil seiner Faszination: Aus einem Lied über Alltagsroutine wurde – mit Ankas neuem Text – ein Resümee über Selbstbestimmung und Haltung.  

Klanglich prägt Sinatras Aufnahme das breit schwingende Don-Costa-Arrangement: ein getragener Beginn, die Stimme nah am Wort, dann ein allmähliches Auffächern von Streichern und Hörnern bis zum finalen Bekenntnis „I did it my way“. Der Effekt lebt weniger von Lautstärke als von Rubato, Legato und Mikrofonkultur – der Eindruck eines persönlichen Geständnisses. Genau diese Mischung aus erzählerischer Ruhe und kontrolliertem Aufblühen machte den Titel zur „späten Hymne“ des Sängers.  

Für heutige Aufführungen (auch in Tenor-Lage) funktioniert „My Way“ am besten mit tragfähiger Mittellage, schlanker Höhe und sparsamem Vibrato. Der Bogen sollte aus der Linie wachsen: in den Strophen mezza voce, im Refrain breit, aber nie forciert. Textnähe ist wichtiger als Effekte – jedes Wort trägt Bedeutung. Wer die Sinatra-Dramaturgie übernimmt, lässt kleine Portamenti zu, hält Pausen stehen und setzt das Schlussritardando als stillen Triumph, nicht als Show-Down.

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