Richard Wagners „romantische Oper“ Der fliegende Holländer wurde am 2. Januar 1843 im Königlichen Hoftheater Dresden uraufgeführt. Der Steuermann ist ein lyrischer Tenor mit klarer, frischer Höhe. Er fungiert als Kopf eines nächtlichen Schiffsvolks, das zwischen Aberglauben und Pflichtbewusstsein schwankt, warnt gleich zu Beginn ver einem geheimnisvollen Geisterkapitän und vermittelt so die unherilsschwngere Stimmung auf der wilden Nordsee. In Akt I singt die berühmte Steuermannsballade „Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer“, während er Wache hält und an seine Liebste denkt bevor er schließlich einschläft. Genau in diesem Moment legt das Geisterschiff des Holländers an: ein dramaturgischer Kniff, der die menschliche Wärme des Steuermanns dem unheimlichen Mysterium gegenüberstellt. Schauplatz ist die sturmgepeitschte norwegische Küste nahe Sandwike.
Stimmlich erfordert die kleine, aber prägnante Tenorpartie eine kräftige, jugendlich-dramatische Klangfarbe, um gegen Orchesterwogen und Chorpartien zu bestehen. Klare Artikulation ist nötig, damit seine eindringlichen Seefahrtsberichte – etwa „Holla, holla! Wer da?“ – unmittelbar wirken. Gleichzeitig verlangt Wagner ein ausdrucksstarkes Vibrato, das die Mischung aus Respekt und Furcht der Mannschaft spürbar macht. Die zuvor erwähnte Ballade fordert federnde, liedhafte Phrasen und einen natürlichen „Seemannsschwung“, ohne je ins Derbe zu kippen.
Dramaturgisch öffnet der Steuermann den Vorhang für Holländers Fluch, sein „Wahnsinnsausruf“ kurz vor dem Werfen der Leinen schafft Spannung. Wer diese Rolle singt, braucht neben starker Atmung und sicherem Halten der Mittellage auch schauspielerische Präsenz, um den Zuschauer direkt in die stürmische Welt an Bord zu ziehen. Auf der Bühne sieht man den Steuermann oft mit Laterne, Tauwerk oder Glocke – Zeichen der Wache. Der Klang der Naturgewalten wird (neben dem Orchester) traditionell mit Windmaschine und Bühneneffekten unterstützt; die liedhafte Ballade profitiert von leichtem Rubato und sehr klaren Konsonanten, damit sie auch über der Gischtlinie der Streicher verständlich bleibt.