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Die lustige Witwe

Franz Lehárs erfolgreichste Operette Die lustige Witwe feierte ihre Uraufführung am 30. Dezember 1905 im Wiener Theater an der Wien. Das Libretto stammt von Viktor Léon und Leo Stein; der Schauplatz ist das fiktive Kleinstaat-Embassy-Milieu von Pontevedro in Paris. Die Titelrolle sang Mizzi GüntherLouis Treumann war der erste Danilo. Die Operette avancierte in der Folge zum Kulthit mit über tausenden Aufführungen bis 1948. Die Wiener Erstproduktion lief 483 Vorstellungen und löste international einen beispiellosen Siegeszug aus (London 1907: 778 Vorstellungen). Häufig zitierte Angaben schätzen die Zahl der Aufführungen auf über 300.000 bis 1948.

Graf Danilo Danilowitsch, Erster Sekretär der pontevedrinischen Gesandtschaft, ist ein desillusionierter Charmeur, der die reiche Witwe Hanna Glawari liebt – nur nicht „wegen des Geldes“. Zwischen Stolz, Staatsräson und Gefühl schwankt er vom Maxim’schen Nachtleben zur späten Ehrlichkeit im Finale. Gerade dieser innere Spagat macht die Rolle so reizvoll: Danilo ist kein Zyniker, sondern ein Verletzlicher mit Etikette.

Die Partie wird historisch tenoral (Uraufführung), heute häufig (lyrisch-)baritonal besetzt; Lehár notiert eine flexible Tessitur. Entscheidend sind tragfähige Mittellage, sauberes, geschmeidiges Legato in den Duetten und Wiener Walzerpuls – es gilt allgemein Eleganz vor Druck. In Ensembles zählt Textklarheit; Rubati bleiben diskret, damit der Walzer „atmet“, ohne zu schleppen. Dynamische Feinarbeit zwischen kokettem Piano und resonantem Forte zeichnen darüber hinaus die wandelbare Gefühlslage des Grafen aus. Kostümbildlich changiert Danilo zwischen Diplomaten-Uniform (Pontevedro-Hof) und Salon-Frack (Maxim’s). Der „Wiener Ton“ entsteht weniger durch Dialekt als durch feine Artikulation, leichtes Vibrato und eine zurückgenommene Gestik – nobles Understatement statt Opern-Bravour.

In der Uraufführung verkörperte Louis Treumann Danilo in schimmernder diplomatischer Galauniform mit weißem Handschuh, was dem Charakter sein elegantes aristokratisches Flair verlieh. Nach dem Opernführer von Karl Howe vereint Danilo raffinierte vokale Eleganz mit komödiantischem Esprit und bleibt eine Glanzrolle der Goldenen Operettenära.

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