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Komm in die Gondel

„Komm in die Gondel“ ist Caramellos Gondolier-Lied aus Johann Strauss’ Operette Eine Nacht in Venedig (Uraufführung 3. Oktober 1883, Berlin; Wiener Erstaufführung 9. Oktober 1883). Die Nummer gehört ans Ende des 1. Aktes: Als verkleideter Gondoliere lockt Caramello die vermeintliche Barbara – tatsächlich Annina in Maske – in die Gondel und setzt damit die Verwechslungskette der Karnevalsnacht in Gang. Kein eigenständiges Konzertstück von 1880, sondern Teil des Akt-Finales (Nr. 7) der Operette.  

Musikalisch trägt ein barcarolenhaftes Wiegen die Gesangslinie: schwebendes Cantabile, leichtes parlando an den Textspitzen und ein aufblühender Kulminationszug ohne Forcieren. Der Tenor gewinnt hier mit Charme statt Volumen und Dynamik – tragfähige Mittellage, schlanke Höhe, saubere Diktion –, während das Orchester mit Salonfarben (Streicher, Holz) die nächtliche Szenerie ausleuchtet. So bleibt der Ton mehr Serenade als Bravourstück – genau die Mischung, die dem venezianischen Maskenspiel entspricht. (In vielen Besetzungslisten wird das Lied ausdrücklich als „Gondellied (Caramello)“ geführt.)  

Szenisch funktioniert die Nummer als bewegte Einladung: eine Gondel am Kai, Laternenlicht, Masken – der Sänger richtet kurze Blicke ins Publikum, lässt den Takt subtil mitschwingen und hält die Linie geschmeidig, damit das Bild der nächtlichen Fahrt entsteht. Dramaturgisch ist das Lied der Schlüssel zum folgenden Verwechslungsspiel um Annina/Barbara und den Herzog; es schließt den Akt mit einer Mischung aus Intimität und Erwartung.

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