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La fanciulla del West

Giacomo PucciniLa fanciulla del West wurde am 10. Dezember 1910 an der Metropolitan Opera, New York uraufgeführt (Dirigent Arturo ToscaniniEnrico Caruso als Dick JohnsonEmmy Destinn als Minnie). Das Libretto von Guelfo Civinini und Carlo Zangarini basiert auf David Belascos The Girl of the Golden West; die Handlung spielt in einem kalifornischen Goldgräberlager rund um den Polka Saloon. Johnson erscheint als sympathischer Fremder – und entpuppt sich als gesuchter Bandit Ramerrez, dessen Liebe zu Minnie den Weg von Schuld zur Rettung zeichnet.  

Vokal ist Johnson eine lirico-spinto-Partie mit tragfähiger Mittellage, edlem Cantabile und frei aufleuchtender Höhe. Die berühmte Arie Ch’ella mi creda steht im 3. Akt kurz vor der geplanten Lynchhinrichtung: Johnson bittet die Männer, Minnie glauben zu lassen, er sei „libero e lontano“. Die Nummer wirkt gerade deshalb so ergreifend, weil sie ohne Effekthascherei auskommt – weit gespannte Legatobögen, kultivierte Piani und ein Kulminationston, der aus der Linie heraus blüht, nicht gegen sie.  

Dramaturgisch gehört Johnsons Weg in Minnies Hütte (Akt II) zu den stärksten Szenen Puccinis: Nach der Enttarnung als Ramerrez rettet Minnie ihn in einem legendären Pokerspiel, das sie – trickreich – gewinnt und damit seine Freiheit erkauft. Später (Akt III) wird Johnson erneut gefasst; erst Minnies Eintreffen wendet die Hinrichtung. Diese Mischung aus Western-Rauheit und innigem Liebespathos macht die Rolle für lyrische Tenöre mit Reserven ideal: Der Charakter bleibt nobel, selbst wenn die Situation brutal wird.  

Historisch prägte Caruso die Partie bei der New-Yorker Uraufführung; „Ch’ella mi creda“ wurde bald zu einem eigenständigen Konzertliebling – nicht zuletzt, weil die Melodie während des Ersten Weltkriegs als Trostlied populär war.

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