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La Mattinata

„Mattinata“ ist ein Ständchen für Singstimme und Klavier, das Ruggero Leoncavallo 1904 komponierte – bekannt vor allem als erstes Lied, das eigens für die Gramophone Company geschrieben wurde. Damit steht das Stück am Beginn der Geschichte der Tonträger-Auftragskomposition. Leoncavallo, durch seine Oper „Pagliacci“ weltberühmt, verfasste Text und Musik selbst. Inhaltlich ist es ein klassisches Morgenlied: Die Sonne wird aufgefordert, sich zu zeigen, doch erst das Erscheinen der Geliebten macht den Morgen vollkommen. Seit der Uraufnahme gehört das Stück zu den beliebtesten Konzertnummern für Tenöre und wurde von nahezu allen großen Vertretern des Fachs interpretiert – von Enrico Caruso über Beniamino Gigli bis zu Luciano Pavarotti.

Die Entstehungsgeschichte ist musikhistorisch bemerkenswert: Leoncavallo widmete das Lied Enrico Caruso, der es am 8. April 1904 erstmals aufnahm – mit dem Komponisten selbst am Klavier. Diese Aufnahme war ein Novum, denn zum ersten Mal wurde ein Werk nicht für die Bühne oder den Salon, sondern gezielt für das damals noch junge Medium Schallplatte geschrieben. Die Verbindung aus einem der berühmtesten Komponisten und dem berühmtesten Sänger seiner Zeit machte das Stück augenblicklich populär und sicherte ihm einen festen Platz im Konzertrepertoire, den es über ein Jahrhundert später noch immer innehat.

Musikalisch handelt es sich um ein knapp gefasstes, strophisch angelegtes Ständchen im schwungvollen Dreiertakt, dessen Klavierbegleitung mit gebrochenen Akkorden und Arpeggien die traditionelle Gitarren- beziehungsweise Mandolinenbegleitung der Serenade nachzeichnet. Die Melodieführung ist ausgesprochen kantabel und steigt in der Schlussphrase zu einem strahlenden Spitzenton auf, der dem Stück seinen konzertanten Glanz verleiht. Gefordert sind flexible Tongebung, elegante Phrasierung und die Fähigkeit, den leichten, tänzerischen Grundcharakter trotz voller Stimmführung zu bewahren. Das Stück ist kurz, verzeiht aber keine Unsicherheiten – es lebt von Frische und rhythmischer Spannkraft.

Im Repertoire ist „La Mattinata“ die ideale Visitenkarte des lyrischen Tenors: kompakt, brillant und unmittelbar wirksam. Dramaturgisch eignet es sich hervorragend als Eröffnungsnummer eines italienischen Blocks, als glanzvoller Abschluss vor der Pause oder als Zugabe. Es schlägt die Brücke zwischen Kunstlied und populärem italienischem Repertoire und erlaubt es, klassische Gesangskultur ohne jede Schwellenangst zu präsentieren. Im Kontrast zu den deutschen Italien-Schlagern desselben Programms zeigt es zudem den authentischen italienischen Tonfall – und macht den stilistischen Unterschied zwischen Sehnsuchtsbild und Originalklang für das Publikum unmittelbar hörbar.

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