Giacomo Puccinis Tosca (Uraufführung 14. Januar 1900, Teatro Costanzi, Rom) zeigt den Maler Mario Cavaradossi als liebenden Idealisten und politisch Sympathisierenden, der dem entflohenen Staatsgefangenen Angelotti hilft – und damit in den Machtbereich des Polizeichefs Scarpia gerät. Akt I (Sant’Andrea della Valle) führt Eifersucht, Flucht und Scarpias Hetzjagd zusammen; Akt II (Palazzo Farnese) eskaliert im Folterverhör, während Tosca um Marios Leben feilscht und Scarpia tötet; Akt III (Castel Sant’Angelo) endet tragisch: die angeblich „simulierte“ Erschießung erweist sich als real, Tosca stürzt sich in den Tod.
Vokal ist Cavaradossi eine lyrisch-spinto-Partie: geschmeidiges Legato und tragfähige Mittellage für die frühe Arie „Recondita armonia“, souveräne Höhe und Atemökonomie für die Ausbrüche („Vittoria!“) und – als stilles Zentrum – das Act-III-Klagebild „E lucevan le stelle“, dessen Linie aus mezza-voce-Nähe wächst und erst am Schluss aufblüht. E lucevan le stelle befindet sich auf Herbert Wüschers erstem Album Number One. Es ist einzeln zum Download oder als CD im Shop erhältlich.In Duett-Momenten wie „O dolci mani“ zählt edle Schlichtheit: kein Druck, sondern Wortnähe und ruhige Bögen. Orchestral trägt Puccini die Stimme mit Samt und Stahl – kammermusikalisch im Gefängnis-Nachtbild, schneidend im Palazzo Farnese.
Dramaturgisch ist Mario kein martialischer Held, sondern ein Künstler mit Rückgrat: In Akt II prallt seine Trotzigkeit auf Scarpias Zynismus – kein „Duett“ zwischen beiden, sondern Konfrontationen, unterbrochen vom Folter-Offstage. Wirksam wird die Figur, wenn der Sänger zartes Zuwenden (Kapelle, Liebesszenen) und ungebeugte Würde (Verhör, Abschied) fein austariert. Die Sprache führt: klare Konsonanten, schlanker Vokalfluss, Portamenti nur als Sprachmusik. Szenisch genügen klare Zeitzeichen um 1800 (einfacher Malerrock in der Kirche, später schlichtes Reise-/Gefängnisgewand)..