0

Rigoletto

Giuseppe Verdis Rigoletto (Uraufführung 11. März 1851, Teatro La Fenice, Venedig) zeigt den Herzog von Mantua als schillernden Zyniker: ein Herrscher, der Verführung als Sport betreibt und dessen Leichtfertigkeit das Drama in Gang setzt. Schon im 1. Akt stellt er sich mit „Questa o quella“ als lachender Libertin vor; im 2. Akt folgt die klangschöne Cavatina „Ella mi fu rapita! … Parmi veder le lagrime“, in der er Gildas Entführung scheinbar rührselig beklagt – mehr Eitelkeit als Empathie. Die berühmte Canzonetta „La donna è mobile“ erklingt im 3. Akt in Sparafuciles Schenke; ihr Ohrwurm-Charakter kontrastiert bitter mit Gildas Opfer. Im Quartett „Bella figlia dell’amore“ zeigt Verdi die Figur ungeschönt: schmeichelnd, leicht, gefährlich.

Vokal braucht der Herzog einen hellen, beweglichen lyrischen Tenor (tenore di grazia) mit elegantem Legato, federnder Artikulation und leuchtendem squillo in der Höhe. „Questa o quella“ verlangt Charme, Präzision und Atemökonomie; die Hauptarie in Akt-II lebt von kantabler Linie und noblem Piano, ohne je sentimental zu werden. In „La donna è mobile“ zählt die Unbekümmertheit: strophische Klarheit, leichtes parlando an den Textspitzen und ein strahlender, aber nicht forciert gehaltener Schluss. Im Quartett muss die Stimme schlank bleiben, damit die kontrastierenden Linien der vier Figuren transparent ineinandergreifen.

Dramaturgisch wandelt sich der Herzog nicht zum Geläuterten: Er bleibt bis zuletzt derselbe – das ist der grausame Witz der Partitur. Gerade diese Unberührtheit macht die Figur so wirksam als Gegenpol zu Rigolettos Fall und Gildas Tragik. Kostümlich funktioniert alles vom Renaissance-Prunk bis zu modernen Hof- oder Regierungs-Settings; entscheidend ist, dass Leichtigkeit und Machtgestus hör- und sichtbar bleiben, nie schwerblütig, nie heroisch.

Anekdote (korrekt): Verdi hielt „La donna è mobile“ bis zur Premiere unter Verschluss und ließ den Uraufführungs-Herzog Raffaele Mirate Vertraulichkeit schwören – aus Angst, die Melodie würde schon vor dem Abend auf Venedigs Straßen gepfiffen. Genau so kam es dann nach der Premiere: Am nächsten Tag summte halb La Fenice den Refrain.

weitere Titel

error: Content is protected !!